Heute ist es soweit – es geht zum Friseur. Kein Kind geht gerne zum Friseur und auch kein Alpaka mag diesen Termin, soviel steht fest. 15 Kinder sollten heute zum Friseur geschickt werden und dafür mussten die scheuen Kreaturen erst einmal eingefangen werden. Natürlich versteckten sich die Tiere in der letzten Ecke der Weide die man finden konnte. Mit 3 Mann gelang es uns letzen Endes die Tiere in eine Ecke zu treiben und Einzelne weiter zu „bearbeiten“. Die Alpakas wurden dann mit einer Schlinge eingefangen und mit einem klassischen Schwitzkasten-Griff das Geschirr umgelegt (zumindest konnten die Viecher nicht mehr abhauen wenn ich sie da hatte). Das Geschirr mussten wir umlegen, damit sie nicht gleich wieder abhauen konnten und es war praktisch, um sie zu navigieren. Es war dann also ein bisschen wie mit einem schlecht erzogenen Hund Gassi gehen.

… endlich war es also soweit und die Alpakas hatten keine Möglichkeit mehr vor uns wegzulaufen, endlich konnten wir sie anfassen.

 

Nachdem wir erst immer ein bisschen dachten, dass wir die Alpakas selbst scheren, wurden wir schnell eines besseren belehrt. Denn diese Tätigkeit erfordert nicht nur Vorsicht und einiges an Übung, sondern ist auch eine echte Knochenarbeit.
Wir bekamen also Besuch vom „Friseur“, zwei ziemlich harte Gestalten. Ich (Jan) wurde auch gleich voll mit einbezogen und hat fleißig geholfen. Ich (Steffi) war als Journalistin unterwegs und habe fleißig fotografiert, wobei ich zugleich darauf hingewiesen wurde, dass ich keine Fotos oder Filme machen sollte, wenn die Tiere ausgestreckt auf dem Boden liegen – kein Problem – meinte ich und habe es daraufhin gekonnt ignoriert.

 

 

Das Scheren an sich dauerte jeweils nur circa 4 Minuten und diese Methode, bei der die Tiere ausgestreckt auf dem Boden liegen, ist wohl eine der Sichersten – sowohl für Tier als auch für Mensch. Es sieht eher unschön aus und manche Alpakas „schreien“ dabei wie abgestochene Schweine. Doch wenn die scharfe Klinge erstmal an der falschen Stelle ist und das Alpaka sich dann zu viel bewegt kann es auch schnell schief gehen und jemand wird verletzt. Obwohl die Angriffstätigkeiten der Tiere durch die Streckung auf das minimalste beschränkt ist, heißt es aber nicht das sie nichts mehr tun. Der Mund ist noch in der Lage halb vergorenes Gras von (gefühlt vor 2 Wochen) auszuspucken, sodass es a.) stinkt und b.) ekelhaft ist. Nachdem ich zweimal angespuckt wurde (zum Glück nur auf die Hose) wurde also auch noch der Kopf in eine andere Richtung gedreht. Es klingt wirklich ganz fürchterlich – war es zu Beginn auch – aber dafür geht es dann umso schneller und die Alpakas sind schnell wieder auf der Weide. Und es ist ja gut für die Tiere, da diese soviel Fell auf den Rippen haben, dass es darunter im Sommer viel zu heiß werden würde. Das ganze Fell haben wir dann in Säcke sortiert nach Fellfarbe und Körperteil. Dieses wird dann weiter zu Garn verarbeitet und etwas schönes daraus produziert.

 

 

Alles in allem ein echtes Erlebnis und ein super aufregender Tag. Ich (Jan) hatte tatsächlich Muskelkater vom Mithelfen am nächsten Tag.

P.S. Ihr habt hier kein Bild-/Videomaterial von ausgestreckten Alpakas gesehen 😉